Fundraising bedeutet mehr als nur um eine Spende bitten. Es geht darum, Menschen für eine gemeinsame Sache zu gewinnen und eine langfristige Beziehung aufzubauen. Es ist keine schnelle Lösung bei Geldmangel und kein Ersatz für fehlende Einnahmen, sondern ein geplanter Prozess: Menschen werden eingeladen, Zeit, Geld oder Ideen freiwillig beizutragen – weil sie die Vision teilen.
Im Unterschied zur einfachen Spendenwerbung, die oft einmalig ist, zielt Fundraising auf dauerhafte Verbindung, bei der Vertrauen, Dialog und Beteiligung im Mittelpunkt stehen. Es verbindet Menschen mit einer Aufgabe, die ihnen wichtig ist.
Damit Fundraising gelingt, braucht es Klarheit: Warum wird Hilfe gebraucht? Wofür genau? Was bewirkt der Beitrag? Wenn das verstanden wird, entsteht Motivation, sich zu beteiligen. Fundraising ist also auch Kommunikation – offen, ehrlich und einladend.
Fundraising lebt von Vielfalt. Es gibt viele Möglichkeiten, Menschen für eine gute Sache zu begeistern. Ob digital oder persönlich, ob leise oder öffentlich – wichtig ist, dass es zur Gemeinde passt.
Diese Instrumente haben sich besonders bewährt:
Mitgliederorientierung
Spendenbriefe
Online-Fundraising
Kollekten
Patenschaften
Anlass-Spenden
Events
Kooperationen mit Unternehmen
Dank
Sie helfen dabei, Kontakt, Vertrauen und Beteiligung zu fördern. Es braucht nicht immer viel Geld, sondern gute Ideen, klare Kommunikation und ehrliches Interesse an den Menschen.
Menschen einladen und einbinden
Persönliche Kontakte stärken die Verbindung. Gerade kleine Gesten wie ein Gruß oder Glückwunsch können viel bewirken und langfristige Beziehungen aufbauen. Dabei ist wichtig, dass die sensiblen Daten der Mitglieder verantwortungsvoll und entsprechend den Datenschutzregeln behandelt werden (siehe auch Kapitel Datenschutz). Für das Fundraising gilt zudem eine weitere Datenschutz-Verordnung.
Willkommensgrüße an neue Mitglieder
Geburtstagswünsche
Briefe zu besonderen Anlässen (Weihnachten, Ostern)
Für das Fundraising sollte die Homepage der Gemeinde einen eigenen Spendenbereich haben, der nur die Spendenanliegen darstellt. Die eigene Website sollte einen gut sichtbaren „Jetzt spenden“-Button direkt auf der Startseite haben, dazu ein Spendenformular und Infos über konkrete Projekte. Es ist sinnvoll, auch andere Kommunikationswege zu nutzen und auf das Spendenformular hinzuweisen: Gemeindebriefe, Schaukasten, Social Media oder Plakate helfen.
Die EKBO arbeitet mit der Firma twingle GmbH für Online-Spenden zusammen. An twingle interessierte Gemeinden wenden sich für weitere Informationen bitte an den zuständigen Kirchenkreis und das zuständige Kirchliche Verwaltungsamt (KVA).
Die Kollekte hat seit den Anfängen des Christentums ihren festen Platz im Gottesdienst. Sie ist mehr als nur eine Spende: Sie gehört zum Ablauf des Gottesdienstes (liturgische Bedeutung) und hat auch eine geistliche Dimension (theologische Bedeutung).
In jedem Gottesdienst wird um eine Kollekte gebeten – also um eine freiwillige Geldgabe. Damit unterstützen wir gemeinsam wichtige Aufgaben der Kirche und ihrer sozialen Dienste (Diakonie). Die Kollekte ist ein Zeichen der Dankbarkeit: Wir geben etwas von dem weiter, was wir selbst empfangen haben, und bitten darum, dass es anderen zum Segen wird.
Es wird zwischen Haupt- und Nebenkollekte unterschieden. Die Hauptkollekte wird während des Gottesdienstes eingesammelt. Die Nebenkollekte wird am Ausgang gesammelt – also beim Verlassen der Kirche.
Beide Kollekten werden im Gottesdienst abgekündigt – klar, verständlich und mit einer kurzen Erklärung, wofür das Geld bestimmt ist. Eine gute und einladende Abkündigung kann die Spendenbereitschaft deutlich stärken.
Für die Hauptkollekte gibt es einen festen Plan, der von der Landessynode beschlossen wird. Darin steht, für welchen Zweck die Kollekte gesammelt wird, oder ob die Kirchengemeinde oder der Kirchenkreis den Zweck selbst bestimmen können. Zu den festgelegten Kollektenzwecken stellt das Konsistorium Kollektenempfehlungen zur Verfügung. Diese können für die Abkündigung der Kollekte verwendet werden oder dienen zumindest als Anregung und Informationsquelle.
Über den Zweck der Nebenkollekte entscheidet die Kirchengemeinde. Diese soll vor allem für soziale oder diakonische Projekte verwendet werden.
Menschen, die in der Kollekte etwas geben, zeigen damit Vertrauen in die Arbeit der Kirche. Dieses Vertrauen verpflichtet uns zu einem sorgfältigen und verantwortungsvollen Umgang mit dem Geld. Nach dem Gottesdienst wird die Kollekte von zwei Personen aus dem Gemeindekirchenrat oder zwei dafür Beauftragten gezählt (Vier-Augen-Prinzip). Das Ergebnis wird im Kollektenbuch dokumentiert und von den Zählenden unterschrieben. Bis spätestens zum 10. des folgenden Monats müssen alle Einnahmen an das Kirchliche Verwaltungsamt (KVA) weitergeleitet werden.
Auch digitale Kollekten sind möglich. Dafür kann zum Beispiel ein Online-Spendentool wie twingle genutzt werden. (siehe auch Online-Fundraising)
Nach dem Motto „Werde ein Teil davon“ gewähren Patenschaften auf charmante Weise die Teilhabe an einem Projekt. Menschen können für einen konkreten Teil eines Projekts spenden, zum Beispiel für Mobiliar, Konzerte oder Spielgeräte. Das schafft eine starke Verbindung.
Anlass-Spenden sind Spendenaufrufe zu besonderen Lebensereignissen. Statt Geschenken bitten Menschen bei Geburtstagen oder Hochzeiten um Spenden für ein Herzensprojekt – zum Beispiel für ein Projekt der Kirchengemeinde. Die Gemeinde kann das unterstützen mit Infozetteln, Spendendosen und klarer sowie korrekter Organisation.
Feste, Konzerte oder Spendenläufe bringen Menschen zusammen. Es gibt viele Möglichkeiten, Events für eine Gemeinde zu organisieren. Sie machen die Arbeit sichtbar und schaffen Verbindung. Wichtig ist Aufwand und Nutzen gut abzuwägen.
Lokale Betriebe unterstützen gern soziale Projekte. Wenn eine Gegenleistung erwartet wird (z.B. Werbung), ist das Sponsoring. Hier müssen die steuerlichen und rechtlichen Folgen mitgedacht werden. Gemeinden müssen daher bei geplanten Unternehmenskooperationen immer fachmännischen Rat einholen, insbesondere zu steuerlichen Aspekten (z.B. über das zuständige KVA oder das Finanzamt). Zudem braucht es für jedes Projekt klare Absprachen und gemeinsame Werte.
Danke sagen ist zentral! Wer eine Spende gibt, möchte Wertschätzung erfahren. Ein persönlicher Brief, eine kleine Aufmerksamkeit oder eine Kinderzeichnung machen den Unterschied. Besonders bei neuen Spender:innen ist das wichtig.
Mehrere Fundraising-Wege lassen sich gut kombinieren. Dafür braucht es Planung, Überlegungen zu Zielen und Zielgruppen und ein realistisches Zeitmanagement.
Fundraising gelingt besser im Team. Zwei bis sechs Personen mit unterschiedlichen Stärken bringen Ideen, Organisation und Kommunikation zusammen. Niemand muss alles können – Vielfalt ist ein Gewinn. Wichtig: Das Team braucht Rückenwind von der Gemeindeleitung und ein kleines Budget.
Fundraising endet nicht mit der Spende. Es beginnt dort! Wer spendet, will dazugehören. Deshalb: einladen, einbeziehen und gemeinsam weitergehen.
Das Wort „Fundraising“ enthält auch das Wort „Fun“ – Gemeinden dürfen Erfolge feiern! Gemeinsam mit dem Fundraising-Team und allen Unterstützenden zu feiern, stärkt das Miteinander. Solche Momente bieten auch gute Anlässe, um zu weiteren Veranstaltungen einzuladen.