Ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

„Die Mitglieder der Kirchengemeinde sind berufen, als Gottes Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nach Maß ihrer Gaben und Kräfte Dienste in der Kirchengemeinde zu übernehmen… Viele Dienste werden ehrenamtlich wahrgenommen. Als Älteste, im Lektorendienst, in der Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, der Kirchenmusik, der Diakonie, der Verwaltung und auf anderen Gebieten tragen Mitglieder der Kirchenge¬meinden zum Aufbau der Gemeinde bei.“ (Art. 14 GO – Grundordnung der EKBO)

Das freiwillige, ehrenamtliche Engagement ist die Basis des kirchlichen Lebens. Die Lebendigkeit einer Gemeinde steht und fällt mit der Beteiligung und dem Einsatz von engagierten Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit ihren vielfältigen Kompetenzen. Die Gemeindeältesten haben dabei die Aufgabe, „Mitglieder der Kirchengemeinde für ehrenamtliche Mitarbeit zu gewinnen, zuzurüsten und zu beauftragen“ (Art. 15 Abs. 3 Nr. 6 GO).

Allerdings ist ehrenamtliche Mitarbeit in der Kirche, wie auch in anderen Bereichen der Gesellschaft, kein Selbstläufer und nicht von sich aus selbstverständlich. Ehrenamtliche Mitarbeit hat unterschiedliche Formen, die sich auch wandeln und bedarf jeweils konkreter Begleitung und Unterstützung.

Formen des Engagements:

Ziel- und zeitbezogenes ehrenamtliches Engagement
Eine dritte Form ist das sogenannte ‚neue Ehrenamt‘: Menschen entscheiden sich bewusst für eine bestimmte Zeit mit einem konkreten Ziel zu einem bestimmten Thema oder bei einer bestimmten Aufgabe verbindlich zu engagieren. Und zwar solange, bis das Ziel erreicht, die Aufgabe erfüllt oder ein bestimmter Abschnitt im eigenen Lebenslauf erfüllt ist – etwa bis die Kinder größer geworden sind, eine neue Arbeit aufgenommen oder eben ein anderer persönlicher Schwerpunkt gesetzt wird. Sie engagieren sich, um ihre Gaben und Fähigkeiten gezielt einzubringen. Oft schwingt dabei auch ein Interesse mit, selbst etwas dabei zu lernen oder kennenzulernen und für sich selbst etwas zu gewinnen – durchaus in ideellem Sinn.

Themen-, anlass-, projektbezogenes Engagement
Die wohl am weitesten verbreitete Form ist das freiwillige Engagement zu einem bestimmten, konkreten Anlass: Menschen engagieren sich durch punktuelle Mitwirkung bei bestimmten Veranstaltungen, Projekten, in Initiativgruppen oder zur Lösung bestimmter Aufgaben- oder Problemstellungen. Danach, wenn das Ziel erreicht, das Projekt beendet ist, treten sie wieder zurück in ihr ‚normales‘ Privatleben. Diese Form des Engagements ist in gewisser Weise der Grundstock für eine gemeinwesenorientierte Gemeindearbeit. Hier engagieren sich oft nicht nur Kirchenmitglieder sondern Menschen, weil sie einen ganz konkreten Anknüpfungspunkt in ihrem alltäglichen Leben haben. Diese Form des Engagements ist ein wichtiges Element des Gemeindeaufbaus, denn es bietet viele Kontaktflächen, um Menschen, deren Interessen und Fähigkeiten kennenzulernen und ihre Expertise und ihre Netzwerke gezielt einzubeziehen. Für solches Engagement braucht es meist keine gesonderte Qualifizierung oder besondere Beauftragung.

Ehrenamt auf Dauer
Eine zweite Form ist das besonders in Kirchengemeinden häufig anzutreffende auf Dauer angelegte ‚klassische Ehrenamt‘: Menschen wachsen bereits in der Kindheit oder Jugend in eine Aufgabe hinein und üben sie dauerhaft, selbstständig und selbstverständlich aus. Sie ziehen die Kirchturmuhr auf oder läuten die Glocken, machen Küsterdienst, reinigen die Kirche, kümmern sich um den Blumenschmuck oder sammeln das Kirchgeld ein … Sie sind immer zur Stelle, sie sind eine feste Größe, eine ‘Institution‘ im Gemeindeleben. Sie führen ihre Aufgaben als Ehrenamt aus, d. h., sie tragen dieses Amt auf Dauer in Ehren, mitunter schon von Generation zu Generation vererbt, meist unentgeltlich und selbstlos.

Engagement als Bildungsgelegenheit
Insbesondere für viele junge Menschen, aber auch für Menschen in beruflichen Umbrüchen ist das freiwillige Engagement auch eine wichtige Bildungsgelegenheit: Die Engagierten können ihr Können und ihre Fähigkeiten in ihnen sinnvoll erscheinende Felder einbringen, sich ausprobieren, Gemeinschaft dabei erleben und ihr Können und Wissen weiter entwickeln. Insbesondere die organisatorischen Fähigkeiten und die Arbeit in guten Arbeitsstrukturen und Gremien prägen oft ein Leben lang und befähigen zur Arbeit im Beruf und zur Mitarbeit in anderen Engagementfeldern.

Leitungsaufgabe Engagementförderung
Der Gemeindekirchenrat hat die Aufgabe, die unterschiedlichen Formen des Engagements gut im Blick zu haben, Interessierte zu gewinnen, Engagierte zu unterstützen und fördernde Rahmenbedingungen zu schaffen. Dabei kann es durchaus zu Konflikten kommen. Die Ziele, die Dynamik und die Vorgehensweise können sich zwischen freiwillig Engagierten und denen, die sich schon  lange intensiv in der Kirchengemeinde mitarbeiten, unterscheiden. Auch gibt es mitunter zwischen beruflichen und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Spannungen in der Auffassung über die Entwicklung der Gemeinde.

Dafür ist es wichtig, dass der Gemeindekirchenrat klare Vorstellungen hat und für transparente Bedingungen sorgt. Ehrenamtliche und Kirchengemeinde müssen wissen, worauf sie sich einlassen oder auch nicht einlassen (wollen). Ehrenamtliche Arbeit muss also vorbereitet, geplant, eingeworben, begleitet und unterstützt werden. Die „Leitlinien für den Dienst, die Begleitung und Fortbildung von Ehrenamtlichen der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg“ von 2007 liefern Grundlagen und Anregungen für die Förderung ehrenamtlicher Mitarbeit in Kirche und Gemeinde. Sie werden derzeit von einer Arbeitsgruppe im Auftrag der Kirchenleitung überarbeitet und den aktuellen Herausforderungen angepasst.

Weiterführende Informationen unter: Leitlinien für Ehrenamtliches Engagement

Für die Arbeit im Gemeindekirchenrat sind unter anderem folgende Fragen zu klären:

Kontaktperson für Ehrenamtliche / Koordination
Im Gemeindekirchenrat ist zu überlegen, ob es eine Person als Ansprechpartnerin oder Ansprechpartner für Ehrenamt und freiwilliges Engagement in der Gemeinde geben soll (Ehrenamtskoordinatorin/Ehrenamtskoordinator). Zu den Aufgaben zählen die Gewinnung von Engagierten für bestimmte Aufgaben, die Vermittlung von Aufgaben für Menschen, die sich gern engagieren wollen sowie die Unterstützung und Fortbildung der aktiven Ehrenamtlichen. Eine Ehrenamtskoordinatorin/ein Ehrenamtskoordinator sollte die Gemeinde gut kennen und auch gut erreichbar sein. Das Amt für kirchliche Dienste bietet regelmäßig Qualifikationskurse für Ehrenamtskoordination an.
Weitere Info: http://akd-ekbo.de/ehrenamt/qualifizierung

Vereinbarung und Beauftragung
Wichtig für das Gelingen der Arbeit mit Ehrenamtlichen ist, ihnen zu vermitteln, dass sie willkommen sind. Jede, die an ehrenamtlicher Mitarbeit interessiert ist, sollte die Möglichkeit haben, sich die Entscheidung für eine Mitarbeit in Ruhe zu überlegen.

Dazu können vor Beginn der gemeinsamen Arbeit in einem Gespräch die gegenseitigen Erwartungen angesprochen und abgestimmt werden. Die Absprachen beziehen sich auf Inhalt und Ziel, Umfang und Dauer sowie Zuständigkeiten und Verantwortungsbereich des Engagements. Klare Absprachen sind nötig, um Enttäuschungen wie Missverständnissen vorzubeugen und Motivation wie Freude zu erhalten.

Die Absprachen drehen sich selbstverständlich nicht nur um die Rechte und Pflichten der ehrenamtlich Mitarbeitenden. Wichtig sind Rahmenbedingungen wie Fortbildung, Versicherungsschutz, Kostenerstattung oder Schweigepflicht/Vertraulichkeit. Seitens der Kirchengemeinde ist auch die Frage nach der Eignung der Person in menschlicher und fachlicher Hinsicht für diese oder jene Tätigkeit transparent zu beantworten. Das ist aus inhaltlicher Verantwortung – etwa in der Arbeit mit Kindern im Umgang mit Schutzbefohlenen – sowie auch wichtig, um von vornherein vorhersehbare Misserfolge zu verhindern.

Zu klären ist ebenso die Form der Beauftragung. Sie richtet sich nach dem Stellenwert und Umfang der Aufgabe, den Gegebenheiten des Arbeitsfelds sowie nach den Vorstellungen der/des Engagierten.

Kostenerstattung
„Ehrenamtliche haben ein Recht auf Fortbildung und Auslagenersatz“ (Art. 29 Abs. 3 GO). Die Kosten, die durch ehrenamtliche Mitarbeit entstehen, sind in der Regel durch die Kirchengemeinde, den Kirchenkreis oder einen anderen betreffenden Träger für das Engagementfeld zu erstatten. Dafür ist ein Verfahren zu verabreden. In der Regel sollte möglichst vor Entstehen der Kosten eine Vereinbarung getroffen werden über den Bedarf, Ziel und Umfang der anstehenden Aufwendungen. Grundsätzlich müssen die Aufwendungen haushaltskonform sein, ansonsten bedarf es eines gesonderten Beschlusses des Gemeindekirchenrates. Auf Wunsch der ehrenamtlichen Mitarbeiterin kann die Gemeinde, statt die Aufwendungen zu erstatten, eine Spendenquittung ausstellen. Vielen Ehrenamtlichen ist das Thema unangenehm, so dass sie es selten von sich aus ansprechen. Umso wichtiger ist das selbstverständliche Angebot zur Kostenerstattung seitens der Gemeinde und ein transparentes, wenig aufwändiges Verfahren.

Qualifikation
Um eine persönliche wie auch fachliche Entwicklung der ehrenamtlich Mitarbeitenden zu ermöglichen, sollte der Gemeindekirchenrat darauf achten, dass es in regelmäßigen Abständen Angebote zur Fortbildung für die jeweilige Tätigkeit gibt. Fortbildung kommt der Qualität der Arbeit zugute, ist ein Zeichen von Wertschätzung und erhöht Arbeitszufriedenheit und Motivation. Da zur Unterstützung Ehrenamtlicher die Fortbildung gehört (Art. 4 Abs. 2 und Art. 15 Abs. 3 Nr. 9 GO), sind dafür gemeindliche und kreiskirchliche Haushaltsmittel einzuplanen (vgl. Leitlinien zum Ehrenamt).

Fortbildung ist auch ein wichtiges Thema für die Mitglieder des Gemeindekirchenrats selbst. Auch sie sind mehrheitlich ehrenamtlich und können Fortbildung beanspruchen. Gemeinsam mit den verantwortlichen beruflichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus den gemeindlichen Arbeitsfeldern sollten Konzepte für die Qualifizierung des ehrenamtlichen Personals entwickelt werden. Fahrt- und Teilnahmekosten für die Veranstaltungen sollten nach vorheriger Absprache und auf Antrag von der Gemeinde übernommen werden.

Ein wichtiger Ansprechpartner auf landeskirchlicher Ebene ist dafür das Amt für kirchliche Dienste (AKD) in der EKBO: Weiter zur AKD Veranstaltungsübersicht

Tätigkeitsnachweis
Auf Anfrage sollen Ehrenamtliche einen Nachweis über ihre Tätigkeit erhalten. Der Tätigkeitsnachweis bescheinigt die geleistete Arbeit und gibt Auskunft über die erforderten und ggf. erworbenen Kompetenzen. Insbesondere enthält ein Tätigkeitsnachweis Angaben über …
•    den Bereich der Tätigkeit (Was war der Auftrag und was wurde gemacht?),
•    den zeitlichen Umfang und die Dauer (Wann, wie lange und in welchem Umfang wurde die Tätigkeit ausgeübt?),
•    die erwartete bzw. erworbene Qualifikation (Welche Vorkenntnisse wurden mitgebracht, welche Kenntnisse und Fertigkeiten waren erforderlich und wurden eingebracht bzw. erworben – auch in Form der Nutzung von begleitenden Qualifikationsangeboten?),
•    die übernommene Verantwortung (Wofür wurde Verantwortung übernommen und wie ist das geschehen?).

Ein Nachweis über die geleistete ehrenamtliche Tätigkeit kann Menschen bei einem Neuanfang und einer Umorientierung auch im beruflichen Feld helfen.

Anerkennung und Beteiligung
Ehrenamtlich geleistete Arbeit wird in der Regel nicht finanziell erstattet, aber Wertschätzung und Würdigung sind wesentliche Elemente der Arbeit mit Ehrenamtlichen. Anlässe können das Erreichen bestimmter Ziele sein. Aber auch Jubiläen, besondere Geburtstage oder Feste sind dazu geeignet. Auch Ausschreibungen der Kommunen und Landkreise zur Einreichung von Vorschlägen für eine Ehrenamtsehrung sollten genutzt werden.

Die Kirchengemeinde kann regelmäßig, z. B. einmal im Jahr, in einer öffentlich wahrnehmbaren Form einen Dank für ihre Mitarbeit aussprechen, z.B. durch einen Neujahrsempfang, einen Sommerausflug oder durch eine besondere Aufmerksamkeit.

Eine spezifische Form der Anerkennung ist, dass diejenigen, die sich engagieren, beteiligt werden bei der Entwicklung des Arbeitsfeldes, in dem sie tätig sind. Wenn die Beteiligung nicht gegeben ist, werden sich Engagierte schnell zurückziehen, denn sie bringen sich in ihrer Freizeit als Person mit ihrem Wissen und Können ein. Die Kirchengemeinde tut gut daran, dieses zu nutzen und zu würdigen, indem Ehrenamtliche mitbestimmen können. Darüber hinaus ist es sinnvoll, Engagierte zu Fragen der Entwicklung der Gemeinde in anderen Feldern zu fragen, weil sie dabei einen Außenblick einbringen können.

Dieser Beitrag wurde verfasst von Matthias Spenn, Pfarrer und Direktor des Amts für kirchliche Dienste in der EKBO.

(Stand 2016)