Ehrenamtliche und berufliche Mitarbeit in der Gemeinde

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Sinne der Grundordnung sind alle, denen zur ehrenamtlichen oder beruflichen Wahrnehmung Dienste in der Kirche übertragen worden sind.“ (Art. 4 Abs. 1 GO – Grundordnung der EKBO)

Jesus kam nach dem Zeugnis des Neuen Testaments in die Welt, um den Menschen die Nähe der Gottesherrschaft zu verkünden. Er tat dies auf verschiedene Weise: Als Lehrender, als in Gemeinschaft Feiernder, als Prediger, Seelsorger und Heiler und als Helfender. Er erzählte Gleichnisgeschichten und verwickelte Menschen in Streitgespräche. Er regte sie so an, im Licht des liebenden Gottes neu über ihr Leben nachzudenken. Er pflegte Gemeinschaft mit sehr unterschiedlichen, auch von der Gesellschaft ausgestoßenen Menschen und feierte mit ihnen die Gegenwart Gottes in der Welt. Er wendete sich Menschen helfend, heilend, unterstützend zu und eröffnete ihnen dadurch neue Perspektiven für ihr Leben.

In der Nachfolge Jesu hat auch die christliche Gemeinde das Anliegen und den Auftrag, das Evangelium von Jesus Christus in Wort und Tat zu leben und zu verkündigen. Heute wird dafür als Leitbegriff „Kommunikation des Evangeliums“ (Ernst Lange) verwendet. Jeder Christ und jede Christin ist nach dem Neuen Testament „Botschafter an Christi statt“ (2. Korintherbrief, Kapitel 5, Vers 20). Im 1. Petrusbrief werden alle Christen sogar der königlichen Priesterschaft zugerechnet (1. Petr. 2,9). Diese Würde berechtigt und beauftragt sie, nach dem Maß ihrer jeweiligen Fähigkeiten, Kräfte und Möglichkeiten Aufgaben in der Kirche und der Gemeinde zu übernehmen.

Gaben und Fähigkeiten

Die Kirche lebt wesentlich durch die Menschen, die bereit sind, „die Botschaft von der freien Gnade Gottes auszurichten an alles Volk“ (Barmer Theologische Erklärung, 6. These, Evangelisches Gesangbuch – Nr. 810).

Jeder und jede hat dabei besondere Gaben und Fähigkeiten sowie Aufgaben. Der Apostel Paulus sieht darin das Wirken des Heiligen Geistes: Bei jedem Christen gewinnt die Gnade Gottes in unterschiedlichen Begabungen und Fer¬tigkeiten Gestalt (Röm. 12,3–8; 1. Kor. 12). Paulus benutzt in dem Zusammenhang als Bild für die Gemeinde den menschlichen Körper: So wie alle Körperteile je für sich eigene Funktionen haben, aber nur zusammen gut funktionieren, so ist es auch mit den unterschiedlichen Mitgliedern der Gemeinde. Der Geist Gottes fügt die Begabungen, Fähigkeiten und Fertigkeiten gleichberechtigt zu einem Ganzen zusammen.

Von Beginn an gab es in den christlichen Gemeinden für spezifische Aufgaben besondere Beauftragungen. Hierin gründet auch das neuzeitliche Verständnis vom Ehrenamt: Menschen erhalten das Mandat, den Auftrag und die Vollmacht der Gemeinschaft, bestimmte besondere Verantwortung für das Gelingen des Zusammenlebens zu übernehmen. Das können Aufgaben des Lehrens, zur Gestaltung der gemeinschaftlichen Feier der Gegenwart Gottes (Gottesdienst als Mahlgemeinschaft) oder auch Aufgaben zur Unterstützung oder Heilung Bedürftiger (Diakonie) sein. Die verantwortliche Mitarbeit in der Gemeindeleitung gehört ebenfalls dazu.

Arbeitsteilung und Spezialisierung
Zugleich stellte sich schon in den ersten Gemeinden heraus, dass manche Aufgabe nur sachgemäß bewältigt werden können, wenn Menschen ganz dafür freigestellt werden und sich nicht noch hauptsächlich um ihren eigenen Lebensunterhalt kümmern müssen. In der christlichen Gemeinde gibt es – sozusagen als Sonderform der Mitarbeiterschaft – beruflich angestellte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Dies ist erforderlich, weil für manche Tätigkeiten einfach entsprechende Qualifikationen, Spezialkenntnisse und -fertigkeiten gebraucht werden, um die Qualität der Arbeit zu sichern oder weil manche Aufgaben dauerhaft gesichert sein müssen. Sofern sich die Gemeinde oder die Kirche das finanziell leisten kann, beschäftigt sie dafür berufliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Manche der Dienste wurden im Laufe der Geschichte auch an bestimmte Ämter mit besonderen (geistlichen) Mandaten gekoppelt.

Heute haben wir ein stark ausdifferenziertes, vielfältiges System der Mitarbeit. Freiwillig engagierte Ehrenamtliche arbeiten mit beruflichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zusammen. Sie ergänzen, unterstützen und begleiten sich wechselseitig. Besonders in Leitungsgremien sind die ehrenamtlich Engagierten in der Mehrzahl. Sie tragen in besonderer Weise Verantwortung für eine vielfältige, motivierte und qualifizierte Mitarbeiterschaft in der Gemeinde. Dabei ist ein ausgewogenes, partnerschaftliches und kollegiales, gutes Verhältnis zwischen ehrenamtlichen und beruflichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wichtig.

Dieser Beitrag wurde verfasst von Matthias Spenn, Pfarrer und Direktor des Amts für kirchliche Dienste in der EKBO.

(Stand 2016)