Mitglieder des Gemeindekirchenrats

Die Mitgliedschaft im GKR regelt Art. 16 Abs. 1 GO in Verbindung mit den Art. 17-19 GO – Grundordnung der EKBO. Mitglieder sind die gewählten und berufenen Ältesten sowie die Pfarrer und die Pfarrerinnen. Für die Einzelheiten der Ältestenwahl wird auf das von der Landeskirche herausgegebene Informationsmaterial (2016: „In 20 Schritten zur Ältestenwahl“) verwiesen. Dieses ist rechtzeitig vor dem Wahltermin bei der Pressestelle der Landeskirche und auch über einen Link auf der Homepage www.gkr.ekbo.de erhältlich.

Anzahl der Mitglieder
Die Anzahl der zu wählenden Ältesten und Ersatzältesten legt der GKR rechtzeitig vor den Neuwahlen fest (vgl. hierzu § 3 ÄWG – Ältestenwahlgesetz). Gemäß Artikel 16 Abs. 5 Satz 1 GO gehören dem Gemeindekirchenrat nicht weniger als vier und nicht mehr als 15 gewählte Älteste an. Bei der Aufstellung der Liste der Kandidatinnen und Kandidaten soll auf ein angemessenes Verhältnis von Männern und Frauen in dem Gremium geachtet werden (Art. 5 Abs. 2 GO). Vorgaben für die Zusammensetzung der Mitglieder regelt Art. 16 Abs. 5 Satz 3 GO. Die beruflichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kirchlicher Institutionen und Einrichtungen zusammen mit den Pfarrerinnen und Pfarrerin müssen im GKR in der Minderheit sein.

Beispiel:
Der GKR der St. Hoffnungsgemeinde hat zehn Mitglieder, davon zwei Pfarrer, die automa-tisch GKR-Mitglieder sind. Die Hälfte der Mitglieder beträgt fünf, also dürfen höchstens vier beruflich in der Kirche Tätige Mitglied in diesem GKR sein (Art. 16 Abs. 5 Satz 2 GO). Zwei Stellen sind bereits durch die Pfarrer besetzt, also dürfen höchstens zwei Älteste beruflich Mitarbeitende der Kirche sein.

Wählbarkeit
Für die Wahl zum Ältestenamt kann jedes Gemeindeglied vorgeschlagen werden, das nach Artikel 19 Abs. 1 und 2 GO und § 5 ÄWG wählbar ist: Älteste können nur Gemeindeglieder sein, sie sich zu Wort und Sakrament halten und ihr Leben am Evangelium Jesu Christi aus-richten; damit nicht vereinbar ist die Mitgliedschaft in oder die tätige Unterstützung von Gruppierungen, Organisationen oder Parteien, die menschenfeindliche Ziele verfolgen.

Zu Ältesten können nur Mitglieder der Kirchengemeinde gewählt oder berufen werden, die
•    Mindestens 18 Jahre alt sind,
•    zum Abendmahl zugelassen sind, und
•    am Leben der Kirchengemeinde teilnehmen und bereit sind, über die innere und äußere Lage der Kirchengemeinde Kenntnis und Urteil zu gewinnen.

Nach Art. 19 Abs. 3 GO sind Personen nicht wählbar, die …
… in einem Dienst- oder Arbeitsverhältnis zur betreffenden Kirchengemeinde stehen (d.h. auch geringfügig Beschäftigte, aber nicht Honorarkräfte);
… mit einem beruflichen Dienst in der betreffenden Kirchengemeinde beauftragt sind (kreis- oder landeskirchliche Angestellte mit einem anteiligen Dienstauftrag in der Gemeinde) oder
… mit pfarramtlichen Diensten in der betreffenden Kirchengemeinde beauftragt sind oder waren („pfarramtliche Dienste“ sind nur solche Tätigkeiten, die im Rahmen einer (beruflichen oder ehrenamtlichen) umfassenden pfarramtlichen Versorgung auf der Grundlage der Ordination geleistet werden; hingegen nicht ehrenamtliche Lektoren- und Prädikantendienste).

Beispiel:
Der Kirchenmusiker Herr Schall und die Kindergärtnerin Frau Lebhaft sind als Angestellte der Gemeinde St. Hoffnung nicht wählbar, obwohl sie Gemeindemitglieder sind; ebenso wenig die kreiskirchliche Katechetin Frau Kind, die u.a. in St. Hoffnung Christenlehre erteilt, sowie der pensionierte Pfarrer der Gemeinde Herr Fromm.

Berufungen
Der GKR kann bis zu zwei Mitglieder berufen, die in vollem Umfang die Rechte eines bzw. einer Ältesten (insbes. das Stimmrecht) haben. Es können diejenigen Personen sein, die nach Art. 19 Abs. 3 GO nicht wählbar sind. Nach der Berufung muss weiterhin die Mehrheit der GKR-Mitglieder ohne kirchliches Anstellungsverhältnis sein. Die Berufung gilt nach Art. 18 Abs. 1 GO bis zur Einführung der nächsten turnusmäßig gewählten Ältesten. Sie bedarf der Zustimmung von zwei Dritteln der GKR-Mitglieder und muss bei den oben genannten nicht wählbaren Personen in geheimer Abstimmung geschehen. Außerdem ist der Gemein-debeirat, sofern er gebildet wurde, vorher zu hören.

Gäste
An den Sitzungen des GKR nehmen als ständige Gäste mit beratender Stimme teil (Art. 16 Abs. 4 GO):
•    Pfarrerinnen und Pfarrer, die in der Gemeinde pfarramtliche Dienste wahrnehmen, aber nicht nach Art. 16 Abs. 4 GO Mitglied im GKR sind (z.B. weil keine besetzbare Stelle vorhanden ist, die sie verwalten können)
•    Vikarinnen und Vikare
•    die oder der Vorsitzende des Gemeindebeirats.

Außerdem sind Theologinnen und Theologen, die in der Gemeinde einen Predigtauftrag wahrnehmen, zu den Sitzungen des GKR einzuladen; sie können mit beratender Stimme an den Sitzungen des GKR teilnehmen. Weitere Personen dürfen eingeladen werden (Art. 23 Abs. 8 GO). Hier ist insbesondere an Mitarbeitende in der Kirchengemeinde zu denken, wenn Themen beraten werden, die ihren Arbeitsbereich betreffen (z.B. Kirchenmusikerin oder Kirchenmusiker, wenn der Gottesdienstplan erstellt wird). Allerdings können die Gäste nur so lange an der Beratung im GKR teilnehmen, wie  die Verhandlungen den Verzicht auf vertrauliche Beratung zulassen. Dies sollte bei der Aufstellung der Tagesordnung der GKR-Sitzung berücksichtigt werden.

Beispiel:
Die nicht-ständigen Gäste dürfen bei der Beratung von Personalangelegenheiten nicht an-wesend sein – anders als die Pfarrerinnen und Pfarrer, die pfarramtliche Dienste wahrneh-men, ohne GKR-Mitglied zu sein, sowie die Vikarinnen und Vikare, die auch an den vertrauli-chen Beratungen teilnehmen dürfen.

Ersatzälteste
Der GKR beschließt auch die Zahl der Ersatzältesten (§ 3 Abs. 3 ÄWG). Diejenigen Kandida-tinnen und Kandidaten, die bei der GKR-Wahl nicht gewählt, aber mehr als 5 % der abgege-benen gültigen Stimmen erhalten haben, sind bis zur vom GKR festgelegten Anzahl Ersatz-älteste in der Reihenfolge der für sie abgegebenen Stimmen (§ 20 Abs. 3 ÄWG). Die Amtszeit der Ersatzältesten beträgt im Grundsatz drei Jahre, im Fall des sechsjährigen Wahlturnus sechs Jahre (§ 1 Abs. 2 ÄWG). Wenn eine gewählte Älteste oder ein gewählter Ältester sein Amt nicht antritt oder es vor Ablauf der Amtszeit beendet, so rückt die oder der Ersatzälteste mit der höchsten Stimmenzahl für die restliche Amtszeit der oder des ausgeschiedenen Ältesten nach (§ 28 ÄWG).

Es besteht nach Art. 16 Abs. 2 GO die Möglichkeit, Ersatzälteste als Stellvertreterinnen und Stellvertreter für Älteste mit Stimmrecht einzusetzen für den Fall, dass Älteste bei Sitzungen fehlen. Die Ersatzältesten sind in diesem Fall einzuführen. Mindestens die Ersatz¬ältesten mit der höchsten Stimmenzahl sind dann zu allen Sitzungen einzuladen, denn eine kontinuierliche Teilnahme ist wichtig, um verantwortlich mitarbeiten zu können.

Entlassung aus dem Ältestenamt und Auflösung des GKR
Einzelne Älteste können nach Art. 21 GO durch den Kreiskirchenrat aus ihrem Ältestenamt entlassen  werden, sofern sie beharrlich ihre Pflichten versäumen oder der Gemeinde – trotz Ermahnung durch die Superintendentin oder den Superintendenten – wiederholt Ärgernis geben. Der GKR und die bzw. der betroffene Älteste müssen, der Beirat soll vorher gehört werden. Eine erneute Wahl der entlassenen Ältesten in den GKR ist frühestens zur über-nächsten turnusgemäßen Ältestenwahl, eine erneute Berufung frühestens nach dieser Wahl möglich

In gravierenden Fällen kann die Kirchenleitung den GKR in seiner Gesamtheit auflösen (Art. 26 Abs. 1 GO). Damit enden die Amtszeiten aller Ältesten. Voraussetzung ist, dass der GKR seine Pflichten beharrlich verletzt oder das Gemeindeleben aus anderen, dem GKR zure-chenbaren Gründen dauernd Schaden erleidet.

Jugendliche im GKR
Das von der Landessynode auf ihrer Herbsttagung 2016 beschlossene Kirchengesetz zur Erprobung der Mitgliedschaft Jugendlicher im Gemeindekirchenrat tritt am 1.1.2017 in Kraft. Ab diesem Zeitpunkt können Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahren als Älteste gewählt und berufen werden, sofern die persönlichen Voraussetzungen vorliegen und die in Artikel 16 a genannte Zahl nicht überschritten wird. Die in Artikel 16 a genannte Zahl ist folgende: Dem Gemeindekirchenrat können bei bis zu sechs zu wählenden Ältesten ein Mitglied im Alter von 16 bis 18 Jahren angehören; Gemeindekirchenräten mit mehr als sechs zu wählenden Ältesten können bis zu zwei Mitglieder im Alter von 16 bis 18 Jahren angehören.

Durch die Berufung von Jugendlichen wird die Gesamtzahl der möglichen Berufungen von zwei Personen nicht erhöht; der GKR kann insgesamt lediglich bis zu zwei Mitglieder der Kirchengemeinde als Älteste berufen (vgl. Art. 18 Abs. 1 Satz 1 GO).

Das Konsistorium hat eine Handreichung  „Jugendliche im GKR“ veröffentlicht, damit sich Kirchengemeinden leichter orientieren können.

Der GKR kann beschließen, dass die Gemeinde an der Erprobung nicht teilnimmt; dann ist es für diese Kirchengemeinde nicht möglich, dass Jugendliche unter 18 Jahre in den GKR gewählt und berufen werden.

Dieser Beitrag wurde verfasst von Dr. Uta Kleine, Heike Koster und Dr. Martin Richter.

Dr. Uta Kleine, Konsistorialrätin in der Abteilung 1 des Konsistoriums – Referat Kirchenrecht und Staatskirchenrecht, Stiftungen, Datenschutz, Strukturfragen
Heike Koster, Oberkonsistorialrätin und Referatsleiterin in der Abteilung 1 des Konsistoriums – Kirchenrecht und Staatskirchenrecht, Stiftungen, Datenschutz und Strukturfragen
Dr. Martin Richter, Oberkonsistorialrat und Leiter der Abteilung 1 – Kirchenrecht und Staatskirchenrecht, Innerer Dienst

(Stand 2017)