Beratungsmöglichkeiten für Kirchenälteste

Wenn „A“ etwas sagt und „B“ etwas ganz anderes versteht … Was es mit kirchlicher Organisationsentwicklung, Veränderungsbegleitung und Gemeindeberatung auf sich hat.

Begriffliches
Der traditionelle Begriff der Gemeindeberatung beschreibt inzwischen nicht mehr ausreichend das Arbeitsfeld, in dem sich die Beratenden betätigen. Neben Kirchengemeinden gibt es viele andere kirchliche Gruppen, die sich externe Hilfe angedeihen lassen (s.u.). Darüber hinaus ist aus dem modernen Beratungsverständnis die Beratende viel mehr begleitend und prozessgestaltend und kaum beratend aktiv. Daher wird zunehmend von kirchlicher Organisationsentwicklung und Veränderungsbegleitung gesprochen.

Wer kann Beratung in Anspruch nehmen?
Die verschiedenen Beratungs- und Begleitungsformen können grundsätzlich durch alle Menschen und Gruppen in Kirche und Gemeinde in Anspruch genommen werden. Gremien wie Gemeindekirchenräte, Kreiskirchenräte, Pfarrkonvente und Gemeinden nehmen diese Angebote besonders häufig war. Aber auch einzelne Haupt- oder Ehrenamtliche – Pfarrerin, GKR-Vorsitzender, Kita-Leiterin, Kantor – sowie auch diakonische Einrichtungen und Mitarbeitende kirchlicher Friedhöfe nutzen externe Hilfe.

Was für Formen von und welche Anlässe für Beratung gibt es?
Systemische Gemeindeberatung spiegelt sich in der Haltung der Beraterin wieder. Sie dient dem Erkennen, Aufdecken und Bearbeiten typischer als störend erlebter Verhaltensweisen. Dem liegt die Annahme zugrunde, dass „soziale Systeme“, also Gruppen von Menschen, nach bestimmten Regeln agieren; z.B. bestimmte, ritualisierte Kommunikations- und Handlungsmuster haben. Damit grenzt sich diese Beratungsform von der Fachberatung ab, die typischerweise nicht Bestandteil von Gemeindeberatungen ist. Supervision und Coaching fallen ebenfalls nicht in dieses Beratungsverständnis, können aber ebenfalls begleitend mit angeboten werden.

Viele Anfragende äußern den Wunsch nach der Moderation einer Sitzung, Versammlung oder Veranstaltung. Dabei übernimmt das Beraterteam bzw. die Gemeindeberaterin die Gesprächsführung, ohne inhaltlich aktiv zu werden.
Mediation ermöglicht nachhaltige Konfliktlösungsansätze, da in diesem Verfahren Menschen so zu Wort kommen, dass statt Schuldzuschreibungen und festen Positionen die unterschiedlichen Gefühle und die dahinterliegenden Bedürfnisse ausgesprochen werden können. Der Mediator handelt sozusagen als Dolmetscher, indem er mit eigenen Worten das Gehörte wiederholt und dadurch aus Vorwürfen die dahinterliegenden Wünsche herausarbeitet.
Planung und Leitung von Tagungen wie z.B. Klausuren, Team- oder Gemeindeentwicklungs- oder Leitbildentwicklungsprozessen sowie dem Entwickeln neuer Formen von Zusammenarbeit bis hin zu Fusionen ist ebenfalls ein großes Aufgabenfeld von kirchlicher Organisationsentwicklung.

Zusammenfassend kann gesagt werden: kirchliche Organisationsentwicklung hat eine rahmengebende und prozessorientierte Funktion und integriert die fachliche Kompetenz der zu beratenden Menschen.

Wie sieht ein Veränderungsprozess aus, welche Rahmenbedingungen gibt es?
Meistens beginnt ein solcher Prozess mit einem gewissen Veränderungsdruck, der zu einer Anfrage an das AKD, die EKBO-Website oder direkt an kirchliche Organisationsentwicklerinnen und Veränderungsbegleiter führt. Daraufhin wird ein Erstgespräch – oftmals unverbindlich und kostenfrei – geführt. Ziel der Beratung/Begleitung, Tätigkeiten der Beraterin sowie Kosten und ein Prozessablauf werden besprochen und vertraglich geregelt. Je nach Situation finden dann das bzw. die Treffen statt – bei einer Klausurtagung ein Tag, bei einer Mediation mehrere Sitzungen, bei einer Kooperations- oder Fusionsbegleitung Treffen über mehrere Jahre – und werden dokumentiert. Es gibt auch Beratungen, die von einer dritten Seite, z. B. einer Superintendentin angeregt werden. Dann vereinbaren alle drei Parteien – Superintendentin, Gemeinde und Berater –  gemeinsam den Beratungsprozess.

In konfliktären Situationen wird grundsätzlich Schweigepflicht verabredet. Aber auch sonst gehen die Begleiterinnen vertraulich mit den Informationen und Erlebnissen um. Zur eigenen Qualitätskontrolle nehmen auch Berater Supervision in Anspruch, um die eigene Rolle zu reflektieren, eigenes Handeln und Gefühle besser zu verstehen und professionelle Distanz aufrecht zu erhalten.

Systemische Beratung hat neben einem definierten Anfang immer ein klares Ende, selbst wenn nicht alle Erwartungen erfüllt wurden oder die vereinbarten Ziele nicht erreicht werden konnten.

Kosten
Die Kosten für Beratung sind sehr unterschiedlich, einige Berliner Kirchenkreise beschäftigen Beraterinnen, die dann den jeweiligen Gemeinden kostenfrei oder -günstig zur Verfügung stehen. Am anderen Ende der Skala sind die freiberuflich Beratenden, die entweder entsprechend kirchlicher Honorarordnung abrechnen oder eigene Tarife haben, die auch noch darüber hinausgehen, da diese Ordnung die Realitäten der Selbständigen nur unzureichend abbildet.

Informationen zu den Qualitätsstandards sind auf der Seite der „Gesellschaft für Gemeindeberatung und Organisationsentwicklung der Evangelischen Kirche in Deutschland“ unter http://www.gboe.de/standards zu finden. Eine Liste von Gemeindeberatern in der EKBO finden Sie unter http://www.ekbo.de/wir/weitere-angebote/supervision-gemeindeberatung.html

Ich möchte Sie, angelehnt an den Satz von Michael Gorbatschow: „Man kann entweder Teil des Problems oder der Lösung sein. Ich habe mich für letzteres entschieden.“ dazu ermutigen, Veränderungen bewusst und kreativ anzugehen und Gemeindeaufbau zu betreiben – wenn Sie wollen, mit Begleitung und Unterstützung durch kirchliche Organisationsentwicklerinnen und Veränderungsbegleiter.

Dieser Beitrag wurde verfasst von Thomas F. Berger, Gemeindeberater, Berlin.

(Stand 2016)